Rejoice e.V.


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2/1995

Presse

Freundschaft über Grenzen hinweg

Jugendchor Rejoice zu Besuch in Riga

Nachdem der lettische Mädchenkammerchor Tonika aus Riga bereits zweimal zu Gast in Urberach war, folgte der Jugendchor Rejoice der mehrfach ausgesprochenen Einladung zum Gegenbesuch und fuhr mit dem Reisebus nach Lettland. Die über 30-stündige Anreise entwickelte sich bereits zu einem Erlebnis, daß von keinem so erwartet wurde. Auch wenn in vereinzelten Gesichtern Müdigkeit und Rückenschmerzen nicht zu übersehen waren, war die Laune jederzeit sehr gut. Pünktlich zum sonntäglichen Frühstück traf der Bus am Ufer der Daugava ein. Dort wurden die Jugendlichen bereits von Mitgliedern von Tonika erwartet. Die Unterkunft wurde bezogen. Es ist kaum vorstellbar, daß ein kompletter Wohnabschnitt eines Internats für die Gäste aus Rödermark freigeräumt wurde. Die Schüler, die sich sonst darin aufhalten, wurden früher als alle anderen in die Herbstferien geschickt. Am Abend trafen Tonika und Rejoice zum ersten Mal nach 1 ½ Jahren wieder zusammen. Für viele, meist neue Chormitglieder, die erste Begegnung. Gemeinsam führte der Weg durch die Altstadt von Riga.

Der Montag brachte den ersten Ausflug in das Umland von Riga. Ziel waren Städte und Plätze entlang des Flusses „Gauja“. Die bereits zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert besiedelte Stadt Cesis (auch „Herz von Vidzeme“ genannt) beeindruckte durch gut erhaltene Burgruinen und archäologische Ausgrabungen. Auf einer Freilichtbühne stimmte der Jugendchor ein Lied an, wodurch die ausgezeichnete Akustik zu hören war. Der weitere Verlauf des Ausflugs brachte die Mitglieder von Rejoice und Tonika zur Ordensburg in Sigulda. Bekannt wurde diese Stätte durch die weitverbreitete Legende der „Rose von Turaida“. Vom Turm der auf einem Hügel gelegenen Ordensburg hat man einen sehr schönen Blick in das Gauja-Tal.

Der folgende Tag begann mit einem Stadtrundgang durch Riga, verbunden mit verschiedenen Besichtigungen. Beeindruckend war sicherlich der Dom von Riga. Am Nachmittag stand die Generalprobe für das abendliche Konzert auf dem Programm. Zu diesem Konzert, daß in der Aula des Internats stattfand, waren sowohl Tonika als auch alle Schüler des Internats eingeladen. Schnell sprang der Funke auf das Publikum über. So entwickelte sich für alle ein schönes Konzerterlebnis. Im Anschluß an diese Veranstaltung gab es im Foyer der Schule ein kaltes Buffet für Tonika und Rejoice. Der Abend klang mit Liedern, Spielen und Tänzen aus. Dabei spielten eventuelle Sprachprobleme keine Rolle. Die Offenheit der Teilnehmer und die Musik und Lieder trugen wieder zu einem Freudenfest der Völkerverständigung bei. Erinnerungen an die durchtanzten Nächte der Vorjahre im Gallusheim wurden wach.

Der zweite Ausflugstag führte die Jugendlichen zu den Schlössern nach Rundale und Mezotne. In Rundale besichtigten die Teilnehmer das schönste Barockschloß Lettlands. Mezotne betreffend wird allen die außergewöhnliche Flußbrücke in Erinnerung bleiben. Vor der Rückfahrt nach Riga fuhr der Bus an den Ostseestrand nach Jurmala. Der starke Wind, der bereits den ganzen Tag über zu spüren war, trieb relativ hohe Wellen, die man von der sonst so ruhigen Ostsee nicht gewohnt ist, an den Stand. Das bunte Laub, der starke Wind und das teilweise naßkalte Wetter zeigten, daß der Herbst sich in Lettland bereits dem Ende zuneigte.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen des Konzertes in der Anglikanischen Kirche in Riga. Nach intensiver Vorbereitung und Soundcheck begann das offizielle Konzert der Konzertreise. Für Überraschung sorgte eine der Zugaben. Rejoice hatte extra für diese Konzertreise ein lettisches Volkslied eingeübt. Als letzte Zugabe stimmte Rejoice nochmals das Lied „Jesus be a fence“ an. Hierzu kamen alle Sängerinnen von Tonika in den Altarraum, um dieses Lied gemeinsam mit Rejoice zu singen. Die Bedenken der Verantwortlichen bezüglich der Stromversorgung und der Akustik in der Kirche erwiesen sich glücklicherweise als unbegründet. Wie schon nach dem ersten Konzert gab es auch an diesem Abend einen gemeinsamen Imbiß mit anschließendem Singen. Der Tag klang dann in verschiedenen Kneipen und Pubs in Rigas Altstadt aus.

Am Freitag besuchte Rejoice nach der Verabschiedung im Internat ein Konzert der Musikakademie in Riga. Mitwirkende waren unter anderem die beiden Vizedirigentinnen von Tonika. Anschließend trafen sich Tonika und Rejoice in den Proberäumen des lettischen Chores. Dort wurde erneut gesungen, getanzt und gelacht. Worte des Dankes und der Freundschaft wurden ausgesprochen. Rejoice lernte ein lettisches Lied und Tonika eines von Rejoice. Daumants Kaktins, Dirigent von Tonika, lud Rejoice zur 800-Jahr-Feier der Stadt Riga im Jahr 2001 ein. Der Abschied kam näher. Zuvor feierten alle noch den Geburtstag von Peter Krausch, dem Dirigenten von Rejoice. Die Stimmung nahm an Tragik zu. Zum Abschied erklangen nochmals die gefühlsbetonten Lieder, wie es schon in den vergangenen Jahren in Urberach der Fall war. Mitglieder von Tonika und Rejoice lagen sich in den Armen. Tränen flossen. Niemand wollte diese wunderschöne Zeit beenden, doch der Bus stand bereits zur Abfahrt bereit. Schon nach wenigen Kilometern war im Bus der Satz zu hören: „Wären wir nur in Lettland geblieben!“

Abschließend dankt der Jugendchor Rejoice e. V. allen Sponsoren und Organisatoren, die diese eindrucksvolle Konzertreise und diese internationale Völkerverständigung über Grenzen hinweg ermöglichten.



sts


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